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NO FUTURE

Es ist 17:30 Uhr und ich stehe bepackt mit einer Tasche voller schwerer Bücher, einem Ordner mit Kopien im Wert eines Kleinwagens und einem Laptop an der Bushaltestelle. Die Kontaktlinsen kratzen, müde ,Hunger, Durst (etwas Mitleid bitte). Ich frage mich gerade ob es die Mühe wert ist die 3 Meter zum Busfahrtplan zurückzulegen um dann dort schwarz auf weiß-gelb-dreckig nachzulesen was ich eh schon vermute - ich hab grad den Bus verpasst und darf jetzt eine Viertelstunde warten - da sehe ich eine Dame im omanahen Alter aus dem Augenwinkel auf mich zukommen. Sie erkundigt sich nun recht feundlich bei mir mit welchem Bus sie zum Bahnhof fahren könne und ich gebe gerne und ausführlich Auskunft und besagte Dame bedankt sich höflich. Nach einigen Sekunden fragt sie mich, was ich eigentlich studiere. Yippie…smalltalk.

Ich nenne meine Studienfächer und erkläre, nachdem ich fälschlicherweise schon für meine endlosen Korrigierstunden bedauert werde, dass ich nicht auf Lehramt studiere. Urplötzlich kommt Leben in die zuvor recht letharigisch wirkende Dame,die mich nun zuerst über die Arbeitslosigkeit ihrer eigenen studierten Kinder sowie über die von allen Kindern und Kindeskindern aller ihr bekannten Menschen im ganzen Erdkreis informiert,frei nach dem Motto: „mei…und da Hinterhuobarin ia Anne…de hod heid no nix!“ blüht von Minute zu Minute mehr auf. Meine Mundwinkel gehen unterdessen tendenziell immer weiter in Richtung Teerbelag.

Kann es  sein, dass  sie die Energie, die sie plötzlich  aufbringt um mir das Elend der arbeitslosen akademischen Abfallprodukte unserer Zeit – insbesondere mein eigenes- möglichst lebensnah und einprägsam darzustellen, direkt von mir abzapft???

Wann kommt eigentlich der Bus? Wie schwer ist eigentlich mein Laptop? Wie spitzig sind die Ecken von meinem Ordner? Wäre es nicht metaphorisch ungemein wertvoll sie mit Salman Rushdie’s  „Fury“ zu hauen?

Aber sowas macht man nicht.

Was ich auch nicht gemacht habe ist Folgendes:

Ich habe sie nicht nach ihrem Alter gefragt und sie darauf hingewiesen, dass sie höchstens noch 5, 6 Jahre hat bis es dann vermutlich  losgeht mit den schlimmeren Beschwerden. Ich habe ihr auch nicht erzählt, dass ich vom Nachbarn meiner Tante seinem Cousin ganz schlimme Geschichten über Pflegedienste gehört hab und vom Altersheim will ich ja garnicht anfangen. Knieoperationen,  Erbsenbrei, Vergesslichkeit, Einsamkeit, Altersheim.

Aber sowas macht man auch nicht…man stellt sich nicht neben eine fremde Person an die Bushaltestelle und macht ihr eine Viertelstunde lang unaufgefordert  Angst vor der Zukunft.

Aber ist ja sicher alles nur gut gemeint, oder? Irgendwie werd ich nur das Gefühl nicht los, zu vielen Sendern ist es eigentlich egal was der Empfänger von der Nachricht hält bzw. was sie mit ihm macht,Hauptsache der Monolog ist draußen.

Jetzt kommt doch noch endlich ein Bus Richtung Bahnhof und bevor sie in den Bus einsteigt, dreht sich besagte Dame noch einmal um und ruft mir für alle gut hörbar zu:

„Dann drücke ich Ihnen die Daumen, dass sie mal wer brauchen kann!“

…und in Gedanken rufe ich ihr hinterher: „Notfalls werd ich einfach Terroristin, so wie Sie!“

19.3.10 01:50
 


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